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von Benjamin Wittorf

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Gelesen: Do the Work von Steven Pressfield ✭✭✭✭✭

Do the Work von Steven Pressfield ist der Nachfolger zu einem der mir wichtigsten Bücher, die ich gelesen und mich beeinflusst haben: The War of Art (ebenfalls von Steven Pressfield). Nachdem der Feind — im englischen Resistance —, der einen daran hindert, der Berufung zu folgen, bekannt ist, gilt es nun, an die Arbeit zu gehen und verdammt noch mal zu liefern. Und dabei hilft dieses Buch.

In der knappen Stunde Lesezeit habe ich das eine oder andere mal innegehalten und mein bisheriges Schaffen und mein Schaffensprozess reflektiert, insbesondere was mich denn nun wirklich davon abhält, Dinge so umzusetzen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Wie auch bei The War of Art trifft Pressfield den Nagel auf den Kopf, und damit mich. Zwar habe ich ihn nie in persönlich getroffen, bin ihm aber dennoch sehr dankbar, denn nur schon die Art der Reflektion, zu der er mich bringt, ändert alles. Das Buch bringt mich weiter dazu, mich intensiv mit den zwei Kernfragen auseinander zu setzen, die mein Schaffen motivieren oder es wenigsten motivieren sollten: Wie sehr will ich es? und Warum will ich es?. Wenn das zufriedenstellend beantwortet ist: machen. Einfach machen. Dem Instinkt vertrauen und runter schreiben. Nicht verkopfen, nicht übervorbereiten — anpassen kann man später immer noch. Den Weg, wie man zu diesen Punkten gelangt, was damit anzustellen ist (es verbessert), und wie man letztlich liefert, beschreibt Pressfield passend in einem energetischen, freundlich auffordernden Ton.

Do the Work ist allerdings kein exzellentes, sondern “nur” ein sehr gutes Buch. Die Wiederholungen aus War of Art sind vielleicht passend, können den anleitenden Teil bei der Kürze des Buches aber etwas in den Hintergrund stellen. Auch, dass Pressfield speziell für Schriftsteller schreibt, kann etwas hinderlich sein. Natürlich hat er Recht, dass es wesentliche Prinzipien beschreibt. Deren Fokus liegt aber eindeutig auf kreativen Schaffensprozessen, während The War of Art den Feind an sich, der einen aufhält, beschreibt.

Unbedingte Leseempfehlung (am besten direkt nach The War of Art).

Erschienen 2011, ISBN 1936719010.

Feature: Ein kleiner Exkurs in die Philosophie der Zeit

Nach einem Gespräch über Zeitmanagement mit einem Freund hatte ich für ihn den folgenden exzellenten Kommentar, den ich in einem Blog, dass ich mal vor Jahren betrieb, erhalten habe, ausgegraben, da er genau meine Meinung widerspiegelt. (Ein Freund von mir, Funky Franz, hinterließ ihn, als ich ihm mal sagte, Entschuldigung, ich habe gerade keine Zeit.) Nach freundlicher Rücksprache veröffentliche ich ihn aus einem ähnlichen Anlass erneut.

Ein kleiner Exkurs in die Philosophie der Zeit…

Zeit ist diejenige Ressource auf der Welt, die am gerechtesten verteilt ist: Jeder bekommt genau 24 Stunden am Tag.

Mal abgesehen von einigen Grundbedürfnissen wie Schlafen, Essen und Gesundheit, kann man mit diesen 24 Stunden genau das machen, was man für richtig und wichtig hält.

Da man als Arbeitsloser aber einen schlechten Stand hat und womöglich schief angeschaut wird in der Gesellschaft (Familie, Freunde), abgesehen davon dass man sich möglicherweise nutzlos vorkommt und langweilt, treibt es die meisten Leute doch in die Erwerbstätigkeit.

Dummerweise haben die Arbeit/Auftraggeber da einige Tricks und Druckmittel drauf, mit denen sie das Zeitmanagement jedes einzelnen mehr oder weniger beeinflussen oder sogar steuern können.

Dazu gehören

  • Alles-oder-Nichts-Methode
    Die Zeit, die man in Erwerbstätigkeit investiert, wird häufig nur sehr grobgranular gehandelt. Nach dem Motto, entweder du nimmst den Full-Time-Job oder du landest auf der Straße.
  • Gruppenzwang
    Die Kollegen pushen sich gegenseitig damit hoch, wer am längsten bleibt. Wer früher geht, weil er andere Prioritäten hat, wird gedisst.
  • Termine setzen für Ergebnisse
    Wenn man im Job etwas freiere Zeiteinteilung geniesst (z.b. als “Contractor”), bedeutet das zumeist noch mehr Arbeit, weil man denkt man wird sonst nicht den hohen Qualitätsanforderungen und knapp kalkulierten Terminen gerecht.

Die verschiedenen Zeitmanagement-Methoden sind vor allem dazu da, mehr Klarheit über die eigene Prioritätensetzung zu gewinnen, diese Prioritäten in einer geeigneten Zeitplanung festzuhalten, und damit auch einen Überblick über den tatsächlichen Zeitbedarf verschiedener Tätigkeiten zu bekommen. Alles in allem eine Bewusstmachung der Zeiteinteilung.

Seitdem habe ich den Satz “ich habe keine Zeit” aus meinem Vokabular gestrichen. Stattdessen heisst es dann, ich habe andere Prioritäten. Zugegeben, da muss man dann etwas mehr diplomatisches Geschick investieren, damit das nicht unfreundlich rüberkommt.

[Ende des kleinen Exkurses]

Ich habe seitdem auch nie wieder Ich habe keine Zeit gesagt.

(Dieser Eintrag erschien ursprünglich Mitte 2009 bei Immersion I/O.)

Gelesen: The War of Art von Steven Pressfield ✭✭✭✭✭

Jedem Menschen, der sich sich wünscht, etwas aus sich heraus zu erschaffen / zu vollenden / überhaupt damit anzufangen, aber es nicht tut, an Prokrastination oder Ängsten und anderen Ausreden leidet, sei dieses Buch unbedingt ans Herz gelegt. Zwar gibt es viele Bücher zu dem Thema, wie zum Beispiel Wie ich die Dinge erledigt kriege (David Allen), die inhaltlich bestimmt allesamt zutreffend sind – aber einfach nicht treffen.

The War Of Art trifft (und damit auch kurz schmerzt), weil es nicht rationalisiert, sondern exakt das Gefühl erfasst und uns vor Augen führt, das uns davon abhält, eben das zu tun, was wir doch so gerne machen würden. Vielleicht mag die offensichtliche (auch stilistische) Analogie zu Sūnzǐs Die Kunst des Krieges zu martialisch erscheinen; wenn man aber dieses Gefühl, diesen Widerstand als einen die Existenz bedrohenden Feind begreift, gilt es ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen. Dabei wird nach Höherem – der Profession – gestrebt. Auch wenn Pressfield dazu in der zweiten Hälfte des Buches ins göttliche gleitet und (nicht nur) auf diese Weise Dinge herleitet, ist es für mich als rationalen Menschen dennoch erstaunlicherweise nicht Ablehnung erzeugend. Anders: es funktioniert.

Erschienen 2003, ISBN 0446691437.