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von Benjamin Wittorf

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Gelesen: Ich krieg dich! von Leo Martin ✭✭✭✩✩

Der Klappentext verspricht mehr als inhaltlich wirklich abfällt: Zwar wartet Leo Martin mit einer durchaus spannenden und interessanten Geschichte um das Anwerben von V-Männern auf, seine Strategien “wie man Menschen für sich gewinnt” erweisen sich allerdings eher als allgemeine Lebensweisheiten, eingepackt in eben diese Geschichte. Zu viel Rahmenhandlung für zu wenig echte Einsichten.

Das ist aber nicht so schlecht wie es klingt. Als Einstieg oder kurzen Ausflug in die Thematik (ob nun Geheimdienste oder über den bewussten Umgang mit Menschen) ist das Buch sicherlich ausreichend und vielleicht sogar zu empfehlen. Es ist schließlich recht kurzweilige Unterhaltung mit der einen oder anderen qualitativen Empfehlung, die insgesamt ja nicht falsch sind. Vielleicht sollte sich der Autor auf weitere solcher Geschichten aus seiner Dienstzeit konzentrieren: In und als Serie könnte das ein schönes deutsches Gegenstück zu amerikanischen Serien wie The Mentalist sein. Das die Geschichte in diesem Fall zum Ende nicht mehr so ganz glaubwürdig erscheinen mag, muss übrigens nicht gegen sie sprechen. Wie sagte Tom Clancy? The difference between reality and fiction? Fiction has to make sense.

Wer es aber in dem Kontext Nachrichtendienste psychologisch gerne sachlich fundierter hätte, sollte sich in der Tat die von ihm zitierte Schriftenreihe Nachrichtendienstpsychologie durchlesen. Wen das Thema Einflussnahme auf Menschen im speziellen interessiert, ist wahrscheinlich mit Büchern rund um Cold Reading, Körpersprache und Rhetorik besser aufgehoben. (Die moralischen Implikationen dabei sollte jeder für sich selbst reflektieren.) Ansonsten bleibt der von Martin ebenfalls empfohlene Klassiker How to Win Friends and Influence People von Dale Carnegie.

Erschienen 2011, ISBN 3424200506.

Schriftenreihe: Nachrichtendienstpsychologie

Aus der Schriftenreihe der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Etwas älter, aber der Mensch an sich ändert sich ja auch nicht so schnell.

Verwandt: Psychology of Intelligence Analysis von Richards J. Heuer, Jr. — eine EPUB-Version davon gibt es hier bei Bücher und Texte.

Die USA nutzen noch immer private Spionageringe

The New York Times:

Top military officials have continued to rely on a secret network of private spies who have produced hundreds of reports from deep inside Afghanistan and Pakistan, according to American officials and businessmen, despite concerns among some in the military about the legality of the operation.

Earlier this year, government officials admitted that the military had sent a group of former Central Intelligence Agency officers and retired Special Operations troops into the region to collect information — some of which was used to track and kill people suspected of being militants. Many portrayed it as a rogue operation that had been hastily shut down once an investigation began.

But interviews with more than a dozen current and former government officials and businessmen, and an examination of government documents, tell a different a story. Not only are the networks still operating, their detailed reports on subjects like the workings of the Taliban leadership in Pakistan and the movements of enemy fighters in southern Afghanistan are also submitted almost daily to top commanders and have become an important source of intelligence.

Zwar keine Ringe, aber bekannte Informationszulieferer sind SITE und IntelCenter.

Via Small Wars Journal.

Feature: HTML, Feeds und Presseinformationen bei unseren Nachrichtendiensten im Netz

Nach einem Kommentar im Bendler-Blog über die Web-Kommunikationsfähigkeiten der Bundeswehr habe ich aus Interesse einen ganz kurzen (grundsätzlichen) Fragenkatalog zu den genutzten Web-Technologien und öffentlichen Informationsmöglichkeiten bei unseren Nachrichtendiensten zusammengestellt und beim BKA, bei der Bundeswehr, beim BND und beim Verfassungsschutz abgearbeitet:

  • genutztes HTML
  • sonstige technische Bemerkungen
  • gibt es einen Feed?
  • wie sieht die Neuigkeiten-/Presseseite aus?

BKA

Die Seite des BKA nutzt nicht-validierendes HTML 4, Frames und ISO 8859-1 als Codierung. Wie da zu erwarten gibt es auch keinen Feed. In einem Frameset gibt es folgende Presse-Funktionen:

  • Kontakt
  • Pressemitteilungen (Text)
  • Pressearchiv
  • Hintergrundinformationen
  • Fotogalerie

Zugutehalten kann man der Website, dass es eine umfangreiche Liste an externen Links gibt. Dass das BKA kein Paradebeispiel an Transparenz sein würde (Nachrichten dürfen von Suchmaschinen zwar gecrawlt, aber nicht indiziert werden; keine offensichtlichen permalinks), war fast zu erwarten; dass es bei seinem Web-Auftritt technisch und kommunikativ allerdings schon die Jahrtausendwende verpasst hat, erstaunt schon ein wenig.

Bundeswehr

Die Website der Bundeswehr nutzt nicht-validierendes XHTML. Da kann man allerdings schon fast einen Feed erwarten, den es dann auch gibt. Auch mit schöner Erklärung – und dem Hinweis, dass das im Intranet nicht funktionieren würde, da dort überwiegend der Internet Explorer 6 eingesetzt würde (ich hoffe im Felde sind die Soldaten besser ausgerüstet).

Es gibt einen sehr umfangreichen Service-Bereich (unter anderem mit einem (nichtverlinkten) Bereich zum Presseportal, Medien-Tipps oder dem Tourplan der Bigband), und einem gesonderten Multimedia-Archiv.

BND

Die Online-Präsenz des BND wartet mit ebenfalls nicht-validierendem XHTML auf. Trotz so fast schon fortschrittlicher Technik gibt es keinen Feed. Dafür schon auf der Startseite einen Link zu Hintergrundbildern für den Desktop.

Im Pressebereich findet sich fast nur Web-untaugliches Material – PDFs (Zahlen bei Veröffentlichung dieses Eintrages:

Zum Vergleich: die CIA.

Verfassungsschutz

Auch hier gilt: nicht-validierendes HTML 4 und keine Feeds, dafür gibt es auf der Startseite eine "persönliche" Begrüßung und zwei Telefonlinks (!) auf arabisch und türkisch angeboten, sowie einstellbare visuelle Optionen.

Zum Pressematerial: Es gibt Publikationen (acht PDFs, zwei CDs), und folgende Presseinformationen:

Es sind immerhin echt schöne URIs.

Und der Rest

Ansehenswert wären vielleicht noch das ZKA, den MAD (hat der noch immer MAD - der bessere Weg als Kontakt-Slogan und eine E-Mail-Adresse bei T-Online?) habe ich als Teil der Bundeswehr außen vor gelassen.

Insgesamt – wie zu erwarten – bedient sich keiner der Dienste z.B. eines social media newsrooms. Mit Abstand am fortschrittlichsten, was bei der offensiven Personalpolitik aber auch nicht wirklich verwundert, ist die Website der Bundeswehr. Die anderen Seiten sind damit zwar im Internet, aber sie sind nicht Internet, wie es sein kann, und in diesem Kontext sein sollte.

Sich mit etwaigen Strategien zu beschäftigen, und auch nachzufragen, steht auf meiner zu-erarbeitenden-Einträge-Liste. Bis dahin scrape ich mit eigenen Tools.