Gelesen: Ich krieg dich!
von Leo Martin ✭✭✭✩✩
Der Klappentext verspricht mehr als inhaltlich wirklich abfällt: Zwar wartet Leo Martin mit einer durchaus spannenden und interessanten Geschichte um das Anwerben von V-Männern auf, seine Strategien “wie man Menschen für sich gewinnt” erweisen sich allerdings eher als allgemeine Lebensweisheiten, eingepackt in eben diese Geschichte. Zu viel Rahmenhandlung für zu wenig echte Einsichten.
Das ist aber nicht so schlecht wie es klingt. Als Einstieg oder kurzen Ausflug in die Thematik (ob nun Geheimdienste oder über den bewussten Umgang mit Menschen) ist das Buch sicherlich ausreichend und vielleicht sogar zu empfehlen. Es ist schließlich recht kurzweilige Unterhaltung mit der einen oder anderen qualitativen Empfehlung, die insgesamt ja nicht falsch sind. Vielleicht sollte sich der Autor auf weitere solcher Geschichten aus seiner Dienstzeit konzentrieren: In und als Serie könnte das ein schönes deutsches Gegenstück zu amerikanischen Serien wie The Mentalist
sein. Das die Geschichte in diesem Fall zum Ende nicht mehr so ganz glaubwürdig erscheinen mag, muss übrigens nicht gegen sie sprechen. Wie sagte Tom Clancy? The difference between reality and fiction? Fiction has to make sense.
Wer es aber in dem Kontext Nachrichtendienste psychologisch gerne sachlich fundierter hätte, sollte sich in der Tat die von ihm zitierte Schriftenreihe Nachrichtendienstpsychologie
durchlesen. Wen das Thema Einflussnahme auf Menschen im speziellen interessiert, ist wahrscheinlich mit Büchern rund um Cold Reading, Körpersprache und Rhetorik besser aufgehoben. (Die moralischen Implikationen dabei sollte jeder für sich selbst reflektieren.) Ansonsten bleibt der von Martin ebenfalls empfohlene Klassiker How to Win Friends and Influence People
von Dale Carnegie.
Erschienen 2011, ISBN 3424200506.