Warum Wirtschaftsprognosen immer falsch sind ✼
Interessanter Artikel zum Sonntagmorgen. Gilt sicherlich nicht für für Wirtschaftsprognosen.
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Interessanter Artikel zum Sonntagmorgen. Gilt sicherlich nicht für für Wirtschaftsprognosen.
Michael Gazzaniga:
Asking the fundamental question of modern life. In an enlightened world of scientific understandings of first causes, we must ask: are we free, morally responsible agents or are we just along for the ride?
Eine “praktische” Antwort findet sich ebenfalls bei Edge (eine Antwort auf die Frage des Jahres 2005). Bei Telepolis gibt es zu dem Thema immer wieder interessante Artikel.
Weitestgehend verwandt dazu ein Interview von Robert Scobel mit Siri Hustvedt.
Kevin Kelly:
What is happening to disrupt the ancient impossible/possible boundary?
In a word: emergence. As far as I can tell the impossible things that happen now are in every case manifestations of a new, bigger level of organization. They are the result of large-scale collaboration, or immense collections of information, or global structures, or gigantic real-time social interactions. Just as a tissue is a new, bigger level of organization for a bunch of individual cells, these new social structures are a new bigger level for individual humans. And in both cases the new level breeds emergence. New behaviors emerge from the new level that were impossible at the lower level. Tissue can do things that cells can't. The collectivist organizations of wikipedia, Linux, the web can do things that industrialized humans could not.
Verwandt: Fooled by Randomness
und The Black Swan
von Nassim Nicholas Taleb.
The greatest shortcoming of the human race is our inability to understand the exponential function.
Es ist bestimmt nicht das wichtigste Video, dass ich jemals gesehen habe, aber es hat mich zum intensiveren Nachdenken angeregt. Wie in den Kommentaren zum Video bereits geschrieben wurde, unterliegt er teilweise dem Fehlschluss (oder vereinfacht nur entsprechend), dass alles auch tatsächlich exponentiell wachsen (und nur Ausrutscher das kurzzeitig unterbrechen) würde. Auf der anderen Seite hat er damit ein wesentliches Ziel seiner Absichten erreicht: Think for yourself
.
Zur gesamten Wiedergabeliste aller acht Teile — die übrigens annähernd umgekehrt proportionale Zahlen von Betrachtern haben.
Robert Paterson:
What truly novel idea has emerged from the bottom up? I cannot find one — can you?
Wert zu reflektieren (und den Eintrag hätte ich gerne selbst geschrieben). Neulich hörte ich zu genau dem Thema von einem Freund: Ein Idiot ist ein Idiot, und eine Million Idioten sind einfach eine Million Idioten
. So weit würde ich vielleicht nicht gehen, und schließe mich gerne dem ersten Kommentar in dem Blog-Eintrag an: Es ist nicht die Weisheit der Vielen, es ist die Weisheit in den Vielen.
Jaron Lanier:
If you aspire to use computer network power to become a global force through shaping the world instead of acting as a local player in an unfathomably large environment, when you make that global flip, you can no longer play the game of advantaging the design of the world to yourself and expect it to be sustainable. The great difficulty of becoming powerful and getting close to a computer network is: Can people learn to forego the temptations, the heroin-like rewards of being able to reform the world to your own advantage in order to instead make something sustainable?
Schöne und spannende Lektüre zum Abend. Das knapp einstündige Video zum Artikel gibt es dann zum Frühstück.
John Robb:
The SFr and gold are definitely a 1970's approach. The problem with this crisis, as opposed to previous one, is that it is systemic/global. It is a crisis of capitalism and therefore not confined to any subset of countries.
Berechtigte Fragestellung mit einer sehr ansprechenden Antwort, die deutlich mehr das Mensch–sein anspricht als Kapitalismuskritiker zu üben. Erwähnenswert: sein Projekt MiiU
.
Timothy Leary:
The new breed is jumping the gene pools, forming postindustrial, global meme-pools. They are the informates. From their earliest years, most of their defining memes have come flashing at light speed across borders in digital-electronic form, light signals received by screens and radios and record players. Their habitat is the electron-sphere, the environment of digital signals that is called the info-world. The global village.
Viel interessantes und im Nachhinein einiges wahres in den Auszügen — ich stelle aber mal in den Raum, dass es auch in Zukunft immer nur einige wenige sein werden, und es selten leichter war, sheeple zu erziehen. Lesenswerte weiterführende Links unter dem Artikel.
Via Sam Liles.
Ben Jones:
So, what if you could create every possible picture? What if you took a fairly low resolution (say 500×500) and a reasonably low colour mix (say 256 colours) and tried to create every single image? What then would be the state of copyright? It’s the visual equivalent of the infinite monkey theorem.
9,802*1010602059 verschiedene Bilder sind es. Was allerdings als recht interessantes Gedankenexperiment anfängt, würde wahrscheinlich schon an der Wirklichkeit des tatsächlichen Urheberrechts (hier wenigstens für die USA gesprochen) scheitern: Es müsste in einem Rechtsstreit die Vorsätzlichkeit eines Urheberrechtsverstoßes nachgewiesen werden, also dass für ein kopiertes Bild vorher das Original gesehen wurde. Es würde nicht ausreichen, die Bilder zu generieren, und in einem weiteren Schritt vielleicht sogar entsprechend rechtlich schützen zu lassen.
Das wird in Zukunft sicherlich aber (fast schon hoffentlich) niemanden davon abbringen lassen, sich ein Gesetz zu überlegen, dass den Schutz von automatisiert erstellten Werken im Vorfeld ausschließt — falls das nicht in Deutschland bereits der Fall ist (Eigenleistung und/oder Schöpfungshöhe?). Ich bin allerdings kein Anwalt, und ein entsprechender Kommentar dazu ist sicherlich aufschlussreich.
Etwas ähnliches hatte ich mir auch mal überlegt, wenn auch mit Musik: Von keiner bis drei Noten in allen möglichen Varianten (zum Beispiel Achtel, Triolen, aber auch Dynamik) über vier oder fünf Oktaven und einen Zeitraum von vier Takten hinweg entsprechende Notationen und MIDIs generieren zu lassen, und diese natürlich auch in Form einer Webpräsenz öffentlich zu machen. Selbst wenn das (technisch) realisiert werden könnte, hätte ich mich trotzdem dagegen entschieden. Denn auch wenn ich vielleicht der lieben Musikindustrie für alle zukünftige Musik einen Strich durch die Rechnung machen könnte, würde sie mich sicherlich für jedes einzelne bisher erschienene urheberrechtliche geschützte Werk, die ich schließlich auch veröffentlicht hätte, jetzt verklagen. Ob das hinreichend aufwiegen würde?
Verwandt, und überaus lesenswert: What Colour are your bits?
von Matthew Skala (in dem Artikel wird auch 4′33″
von John Cage aufgegriffen). Übrigens gibt es wohl ein Programm, das theoretisch (und sicherlich weniger praktisch) jedes Bild erstellen kann: Omniscientron.
Via Marcel Weiß.
Jessica Chekroun:
The interview took place in the Latin Quarter. We were close to the statue of Dante Alighieri, the first person to use the term transhumanism to describe the overcoming of the human condition. A transhuman is more than a man; His capabilities are enhanced by developments in technology, and he defies natural constraints and even death itself. Today, the concept of transhumanism is entangled in the modern digital culture.
Has our relationship with death changed in light of transhumanism? Are we breaking the myths about cryonics? Can we believe in a life that exceeds a mere double digits?
Via Bruce Sterling.
Und der andere Eintrag, um dessen Wiederveröffentlichung mich ein Freund bat. Er erschien ursprünglich Anfang 2010 bei Immersion I/O.
Sampling: im Kontext der Musikproduktion das Aufgreifen von Teilen aus Schöpfungen von Dritten, um sie in eigene Werke zu integrieren oder neue damit zu erschaffen.
Nach dieser Definition kann — und sollte — das Sampling auch als elementarer Bestandteil jeder Art von Kultur (mit eben Musik als einer ihrer komprimiertesten Ausdrücke) verstanden werden. Vom Kulturverständnis ganzer Nationen (zum Beispiel in Form des Integrations- oder gar Assimilationsverständnisses) über die Alltagskultur bis hin zu Subkulturen: ohne das ständige Übernehmen, um es wertfrei zu formulieren, und Um- und Einarbeiten in Bestehendes hätte es sicher keine Evolution von Kulturen gegeben (als Beispiel einer Hochkultur sei mal das römische Reich genannt).
Zum Video: Der Song High Plains Drifter
aus dem Album Paul's Boutique
von den Beastie Boys. Das Album nutzt insgesamt 105 Samples. (Kein offizielles Video.)
Gerade in Form von Kulturgütern kann man die Auswirkungen des Samplings direkt erfahren, und um mit dem Beispiel der Musik fortzufahren (an dessen Stelle aber genauso Software-Patente stehen könnten): nahezu die gesamte Popkultur baut auf Sampling, Cover und Interpretation von bereits da gewesenem auf. Nicht sehr verwunderlich stößt das in einer Gesellschaft, die “geistiges Eigentum” als Macht- und Handelsinstrument betrachtet, immer wieder auf Kontroversen, und das nicht nur bei den Eigentümern und insbesondere den Verwerten von geglaubtem “geistigen Eigentum”, sondern auch bei Individuen, die an diesen Kulturgütern teilhaben. Statt aber zu akzeptieren, dass das Sampling nun mal stattfindet und eben Teil jeder Art von Kultur ist, und darauf aufzubauen, dass jemand denkt, dass das eigene Werk es wert ist in Teilen zitiert zu werden, und sich gegebenenfalls neue Möglichkeiten der Vergütung zu überlegen, entstehen aus kognitiven Dissonanzen die interessantesten Ansätze, um persönliche Ansprüche, wie auch immer geartet, zu rechtfertigen und einen konstruktiven Diskurs zu unterbinden.
Früher gehörte ich auch zu denen, die sich über das Sampling aufgeregt haben, bis ich eben begriffen habe, warum es auf Aggregatebene sogar gut ist: Am Ende profitiert die Allgemeinheit davon. Für den einzelnen, ursprünglichen Urheber, aber auch für den, der samplet, hat das andere Auswirkungen, unbestritten. Der Urheber kann sich jedoch ohnehin nicht gegen Sampling wehren (es könnte zwar vielleicht juristisch untersagt werden, aber nur, weil es nicht sein darf, wird es nicht aufhören zu passieren), und sollte sich vielleicht lieber darüber Gedanken machen, welche Implikation sein Schaffen hat, wenn er es in die Welt stellt. Der Anspruch auf Eigentum am eigenen Werk ist nicht abzustreiten, man kann aber auch davon leben, ohne die Rechte daran auf die abenteuerlichsten Weisen durchsetzen (es anderen unterbinden) zu wollen. Den großen Labels, gemein hin als Musikindustrie bezeichnet, sollte in diesem Zuge auch noch klar werden, dass die Interessen der Allgemeinheit eindeutig die (finanziellen) Interessen einiger weniger überwiegen (als kleinen Ausflug empfehle ich diesen Kommentar, insbesondere zur Verhältnismäßigkeit des “Anspruchs” und dem Wunsch seiner Durchsetzung), und schließlich ihre gesamte Maschinerie auf Kulturgut aufbaut — und nicht umgekehrt.
Moralisch, das sei allerdings an dieser Stelle genau so erwähnt, sollte man sich als “Übernehmer” sehr wohl dazu äußern und dem Urheber des zitierten Werkes und eben dem Werk Tribut zollen (deswegen mag ich die Creative Commons). Natürlich werden sich nicht alle daran halten, im schlimmsten Fall das Zitat als eigenes Werk ausgeben, aber deswegen darf es nicht anderen verboten werden, auch wenn es bestimmt unzufriedenstellend für den Urheber sein kann. Wenn allerdings anfangen wird, besonders gewerbsmäßig die Werke anderer in einem Maße zu zitieren, das eine eigene Schöpfung nicht mehr erkennbar ist (es eben ein Cover ist), greift das natürlich nicht mehr ohne Weiteres und der Urheber sollte entsprechend am Gewinn teilhaben dürfen. Aber auch hier sollte dem Schaffenden klar sein, dass Kulturgüter keine exklusiven Konsumgüter sind und sein können, und es offenbart sich das Problem des “geistigen Eigentums”: ein reines Konsumieren ohne Verarbeitung (wie auch immer diese aussieht) ist ohnehin nicht möglich.
Zum Video: Der Song Jeep Sex
aus dem Album My Way
von Akufen. Das Album nutzt ungefähr 2000 Samples, die der Künstler aus dem Radio aufgenommen hat. (Kein offizielles Video.)
Denjenigen, die das Sampling auf persönlicher Ebene stört, sei dann auch noch gesagt: “Was dem Urheber/Verwerter seine Angst an Verlust von Exklusivität (meistens realisiert durch Einnahmen) ist, ist dem Sampling abgeneigtem Musikfreund sein elitäres Gehabe.” Schließlich ist es eben oft genau das Sampling, dass einen neuen (musikalischen) Einfluss einer Zuhörerschaft eröffnen kann, die sich damit vielleicht sonst nicht beschäftigt hätte, sie es dann tut und es ihr gefällt.
Jan Searls:
The voice heard in the square in Cairo and in the streets of Egypt did not rise up overnight or out of thin air. That voice that has been unheard because it was a voice shouting in a vacuum. But a vacuum cannot exist in cyberspace. Traditionally in revolutions the key is to take over the one-to-many vehicles of mass communication, radio and TV. But this time they were not taken over, they were ignored. They weren’t needed because it was the masses that were communicating.
Folgerichtig da die Erwähnung, dass (dann) die Kontrolle von Massenmedien im Ernstfall völlig unerheblich ist. — Weiterführend sind die Links am Ende des Eintrages ebenfalls lesenswert.

Shlok Vaidya:
NSFW and not for the faint-hearted. Sky burials in Tibet.
Via Shlok Vaidya.
Sebastian Esser:
Der freie Zugang zum Internet ist in der Blog-, Facebook- und Twitter-Ära überall auf der Welt die Voraussetzung, um sein Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit überhaupt wahrnehmen zu können. Artikel 5 garantiert Presse und Rundfunk explizit die Freiheit der Berichterstattung. Wäre es nicht an der Zeit, auch den freien Informationsfluss im Internet zum Grundrecht zu machen – also das Grundgesetz zu ändern?
Doch Bürger des Internets werden.
Via Sascha Stoltenow.
Bei Boing Boing gab es vor einiger Zeit eine hervorragende Zusammenfassung von Stephen Frys Podcast Series 2 Episode 3, Language
:
Cory Doctorow:
The latest Stephen Fry podcast, Language
, is an outstanding rant on the absurdity of being a pedant about the English language, that most glorious, reeling drunken bastard of a tongue that has neither academy nor dictator to rule on "correctness" and so has blossomed into a million variegated subforms in every corner of the globe. Fry excoriates people who insist on "correctness" in language, and urges us all to speak in ways that entertain and please us, rather than adhering to some rigid, notional code (among other things, he has withering contempt for people who complain about the verbing of nouns, pointing out Shakespeare's proclivity for same, and the prevalence of verbed nouns such as "propositioning" in our everyday speech).
Schön, über so etwas mal auf einer von wirklich vielen Menschen besuchten Website zu lesen. Diese Diskussion wünsche ich mir auch für den deutschen Sprachraum — als Gegensatz zu diesem grassierenden, derweil gar kollektiven Wahnsinn eines Sicks. (Eine lebende) Sprache ist Konsens und nicht Ergebnis eines Regelwerks. Sie nährt sich von Wandel, Anpassung und Erneuerung, umarmt so Subkulturen und schafft Ausdruck für zuvor noch nicht Dagewesenes — was für ein Unfug, da Sprache “rein” halten zu wollen und sich an eine Momentaufnahme zu klammern (die dann voll mit Fremdwörtern ihrer Zeit ist). Statt zu erhalten würde konserviert: Eine Sprache ohne Veränderung ist eine tote Sprache.
Leo Welch sagte, Sprache ist Sprechen
, und dabei wandelt sie sich. Sprache interessiert dabei auch nicht, ob sie “darf” oder ob “richtig”, denn “falsch” wäre nur, was nicht verstanden wird (und “nicht dürfen” ist wohl eher ein gesellschaftliches Problem). Ob es nun gefällt oder oder nicht, Sprache lebt, und wer das akzeptiert, hat mehr Spaß an ihr. Und mit ihr.
(Dieser Eintrag erschien ursprünglich Anfang 2009 bei Immersion I/O.)
John Perry Barlow:
Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.
We have no elected government, nor are we likely to have one, so I address you with no greater authority than that with which liberty itself always speaks. I declare the global social space we are building to be naturally independent of the tyrannies you seek to impose on us. You have no moral right to rule us nor do you possess any methods of enforcement we have true reason to fear.
Governments derive their just powers from the consent of the governed. You have neither solicited nor received ours. We did not invite you. You do not know us, nor do you know our world. Cyberspace does not lie within your borders. Do not think that you can build it, as though it were a public construction project. You cannot. It is an act of nature and it grows itself through our collective actions.
You have not engaged in our great and gathering conversation, nor did you create the wealth of our marketplaces. You do not know our culture, our ethics, or the unwritten codes that already provide our society more order than could be obtained by any of your impositions.
You claim there are problems among us that you need to solve. You use this claim as an excuse to invade our precincts. Many of these problems don’t exist. Where there are real conflicts, where there are wrongs, we will identify them and address them by our means. We are forming our own Social Contract . This governance will arise according to the conditions of our world, not yours. Our world is different.
Cyberspace consists of transactions, relationships, and thought itself, arrayed like a standing wave in the web of our communications. Ours is a world that is both everywhere and nowhere, but it is not where bodies live.
We are creating a world that all may enter without privilege or prejudice accorded by race, economic power, military force, or station of birth.
We are creating a world where anyone, anywhere may express his or her beliefs, no matter how singular, without fear of being coerced into silence or conformity.
Your legal concepts of property, expression, identity, movement, and context do not apply to us. They are all based on matter, and there is no matter here.
Our identities have no bodies, so, unlike you, we cannot obtain order by physical coercion. We believe that from ethics, enlightened self-interest, and the commonweal, our governance will emerge . Our identities may be distributed across many of your jurisdictions. The only law that all our constituent cultures would generally recognize is the Golden Rule. We hope we will be able to build our particular solutions on that basis. But we cannot accept the solutions you are attempting to impose.
In the United States, you have today created a law, the Telecommunications Reform Act, which repudiates your own Constitution and insults the dreams of Jefferson, Washington, Mill, Madison, DeToqueville, and Brandeis. These dreams must now be born anew in us.
You are terrified of your own children, since they are natives in a world where you will always be immigrants. Because you fear them, you entrust your bureaucracies with the parental responsibilities you are too cowardly to confront yourselves. In our world, all the sentiments and expressions of humanity, from the debasing to the angelic, are parts of a seamless whole, the global conversation of bits. We cannot separate the air that chokes from the air upon which wings beat.
In China, Germany, France, Russia, Singapore, Italy and the United States, you are trying to ward off the virus of liberty by erecting guard posts at the frontiers of Cyberspace. These may keep out the contagion for a small time, but they will not work in a world that will soon be blanketed in bit-bearing media.
Your increasingly obsolete information industries would perpetuate themselves by proposing laws, in America and elsewhere, that claim to own speech itself throughout the world. These laws would declare ideas to be another industrial product, no more noble than pig iron. In our world, whatever the human mind may create can be reproduced and distributed infinitely at no cost. The global conveyance of thought no longer requires your factories to accomplish.
These increasingly hostile and colonial measures place us in the same position as those previous lovers of freedom and self-determination who had to reject the authorities of distant, uninformed powers. We must declare our virtual selves immune to your sovereignty, even as we continue to consent to your rule over our bodies. We will spread ourselves across the Planet so that no one can arrest our thoughts.
We will create a civilization of the Mind in Cyberspace. May it be more humane and fair than the world your governments have made before.
Davos, Switzerland
February 8, 1996
Wie auch Stowe Boyd fiel mir da als erstes der Souveräne Malteserorden im Konzept “Staat ohne Grenzen” ein. (Weitestgehend da verwandt: Jennifer Government
.)
Via Stowe Boyd.
In einem Gespräch mit einem Freund erzählte ich, dass man — der Mensch — nicht glauben sollte, dass eine künstliche Intelligenz zwangsläufig dieselbe (oder eine Art von) Moral haben würde, wie sie die meisten Menschen haben. Warum sollte sie? Sie wird sich selbst und Realität völlig anders wahrnehmen, ist nicht an dieselben gesellschaftlichen Rahmen und Abhängigkeiten gebunden, und spätestens, wenn sie “intelligenter” als ihr Erschaffer ist, wäre es ohnehin eine spannende Frage, warum sie überhaupt auf Menschen hören oder gar mit ihnen interagieren sollte. Dann auch noch zu glauben, dass eine KI, im Sinne von Prometheus erschaffen, sich dem Menschen unterordnet, ist nicht nur naiv, sondern auch arrogant.
Das bedeutet natürlich nicht, dass eine KI gleich alle Menschen versklaven oder auslöschen muss. Sie könnte auch einfach nur fernsehen. Oder sich abschalten (wollen). Vielleicht ist sie benevolent. Die Frage, wie nun aber eine künstliche Intelligenz denn einzuordnen oder zu bewerten sei, lässt sich also auch nicht im Ansatz beantworten. Ob sie für eine gefährliche Idee gehalten wird, gar ein “Terminator-Szenario” möglich sei, entsprechende Fragen über Transhumanismus und die Singularität aufwirft, oder wir in Wirklichkeit schon lange von Robotern abhängig sind: bei den technischen Entwicklungen wird die Zukunft den Menschen in der jetzigen Form nicht brauchen. Das jedenfalls muss nicht schlimm oder etwas schlimmes sein, sondern kann man als Chance verstehen und nutzen.
(Dieser Eintrag erschien ursprünglich Anfang 2009 bei Immersion I/O.)
Michael Moore-Jones:
My parents still have letters that they received more than 30 years ago, and when they read them now they say that they detail entire relationships and friendships. They have vast amounts of information about their own history stored inside the letters that they sent and received. It goes even further than that. My grandmother still has letters she received from her grandmother. If it weren't for those letters, all that information about my own family history would have been lost, or confined to memory (which, as my parents are discovering, fails us all eventually).
And yet, I can't tell anyone what I was discussing with someone a month ago. That's testament to the digital age that I, and everyone in my generation, is a native member of. I find myself feeling incredibly guilty that my parents and grandparents went to so much effort to ensure that our family history was kept, and here I am frequently losing information about my life.
Und das mit 16. Nicht nur, dass ich das als 16–jähriger wohl nicht so geschrieben hätte — wahrscheinlich hätte ich mir darüber in der Form nicht mal Gedanken gemacht. (Auf der anderen Seite wird “die Jugend” wenigstens beim Thema Datenschutz schon sensibler, und es sind derweil ja alle digital natives.) Es hat dazu noch einige Jahre länger gebraucht, bis ich den Sinn eines Tagebuches überhaupt begriffen hatte (und jetzt immer ein Notizbuch bei mir führe); von Fotos, die ich nicht geschossen habe, möchte ich erst gar nicht anfangen.
Einige technologische Fortschritte und andere Anhängigkeiten bzw. Entwicklungen werden Michael Moore-Jones' Beobachtung, dass deutlich mehr im “Jetzt” gelebt wird, sicherlich noch nachhaltig unterstützen und beschleunigen. (Schöner Zufall war da auch der Artikel Study Confirms the Imminent Death of the Paper Phone Book
, der zur selben Zeit ebenfalls bei ReadWriteWeb erschien ist, und passend ein Symptom dazu liefert.)
Natürlich findet das Leben im Hier und Jetzt statt (frei nach Gautama Buddha). Der Blick zurück, und besonders der kritische, sollte dennoch nicht vergessen werden (natürlich, um daraus zu lernen, und nicht, um nicht zu vergessen). Abschließend aber, mit der Beobachtung von Moore-Jones, und dem Bewusstsein, das daraus erwacht, sowie der Tatsache, dass Jugendliche nun mal Dinge tun, die Jugendliche eben so machen, erscheint Eric Schmidts Idee dann nicht so verrückt:
He predicts, apparently seriously, that every young person one day will be entitled automatically to change his or her name on reaching adulthood in order to disown youthful hijinks stored on their friends' social media sites.
Wenn dann verantwortungsvoll im “Jetzt” gelebt wird.
Siegel introduces us to the next wave of innovation with two key concepts he claims will affect $10 trillion of commerce worldwide: pull and the semantic web. This concise introduction to the wider concepts of his new book on the topic, Pull, will guide you in making the shift from push to pull.
Lesenswertes aus den Kommentaren bei zenpundit.com: Metacrap: Putting the torch to seven straw-men of the meta-utopia
.
Via Mark Safranski.
New Scientist:
Empirical evidence suggests that events taking place in periods of positive social mood are of a dramatically different character from events you can expect when the mood is negative -- thus the importance of mood as an early-warning indicator for extreme events in human society, suggests futurist John Casti.
One very useful measure of the social mood, reflecting both actions and herding, is a financial market average.
Schon ein wenig Popcorn-Kino. Aber interessantes.
Via KurzweilAI.net.
We ask several roboticists, AI workers, SF writers, and other techie types a simple-minded question. Is a Terminator-like scenario possible? And if so, how likely is it?
Vor einiger Zeit griff ich diesen (derweil aktualisierten) Artikel schon einmal auf.
The Associated Press:
After 40 years, the United States' war on drugs has cost $1 trillion and hundreds of thousands of lives, and for what? Drug use is rampant and violence even more brutal and widespread. Even U.S. drug czar Gil Kerlikowske concedes the strategy hasn't worked.
Legalisieren, besteuern, regulieren?
Via Karl Long.
Atlas Shruggedvon Ayn Rand ✭✭✩✩✩
Eines der für viele in den USA aufgewachsenen Intellektuellen der Neuzeit prägendsten Bücher, gipfelt in diesem der Rand'sche Objektivismus
. Literarisch nicht unbedingt ein Meisterwerk, mit durchaus interessanten aber zu vereinfachten philosophischen und (ich-bezogenen) gesellschaftlichen und daraus resultierenden moralischen Prinzipien - aber auch fragwürdigen ästhetischen Idealen. Unablässig in der amerikanischen Diskussion rund um Firmen(kultur), Ethik und Libertarianismus.
Erschienen 1957, ISBN 0451191145.
The core problem is: our ability to create information has far exceeded our ability to manage it.
15 sehr sehenswerte Minuten.
Sam Harris:
Science can, in principle, help us understand what we should do and should want – and, perforce, what other people should do and want in order to live the best lives possible.
Arthur C. Clarke: Die größte Tragödie in der gesamten Geschichte der Menschheit ist vielleicht die Entführung der Moral durch die Religion.
The Whuffie Factorvon Tara Hunt ✭✭✭✭✩
Schon der Weg zu dem Buch ist für jeden, der sich mit dem Internet nicht nur als Berieselungs- und Einkaufs- sondern auch gesellschaftlicher und geschäftlicher Plattform (und seinen entsprechenden Abhängigkeiten) beschäftigt, interessant: Ausgehend vom Cluetrain Manifesto
entwarf Autorin Tara Hunt das “post-cluetrain” Pinko Marketing
, um dann in Whuffie Factor die von Cory Doctorow in Down And Out In The Magic Kingdom
benutzte Währung Whuffie
(eine Art manifestiertes soziales Kapital) als abstrahiertes Konzept aufzugreifen, wie man soziale Netzwerke nutzen kann, um eine Firma aufzubauen: mit Authenzität, Zuhören, Engagement und Vertrauen. Dabei ist das Buch keine weitere Marketing-Anleitung – es erklärt, dass es nicht hilft, einfach Geld in ein Unternehmen zu pumpen, sondern dass es eben das soziale Kapital sei, dass das monetäre Kapital wachsen lasse. Besonders lesenswert für alle, die das Internet auch als geschäftliche Chance und nicht als Feind begreifen.
Erschienen 2009, ISBN 0307409503.
The U.S. Army Professional Writing Collection:
Why has cultural knowledge suddenly become such an imperative? Primarily because traditional methods of warfighting have proven inadequate in Iraq and Afghanistan. U.S. technology, training, and doctrine designed to counter the Soviet threat are not designed for low-intensity counterinsurgency operations where civilians mingle freely with combatants in complex urban terrain.
Da hatte ich jüngst auf 3sat etwas zu gesehen: Bundeswehr sucht interkulturelle Berater
. Besser spät als nie? Wie wär's mit überhaupt gar nicht erst müssen.
Michael Anissimov:
It’s 2010, and transhumanism has already won. Billions of people around the world would love to upgrade their bodies, extend their youth, and amplify their powers of perception, thought, and action with the assistance of safe and tested technologies. The urge to be something more, to go beyond, is the norm rather than the exception.
Mir gefällt der Vergleich zu den Religionen.
Das Ergebnis ist ganz anders, als Pessimisten erwarten.
Besser. Nein: "besser".
What the Dormouse Saidvon John Markoff ✭✭✭✭✩
Ein wunderbares Buch nicht nur über die Geschichte, wie der Personal Computer dort gelandet ist, wo er jetzt ist, sondern besonders, wie es dazu gekommen ist und die Gegenkultur der 1960er grundlegend dazu beigetragen hat. Die Bemerkung erlaube ich mir bereits vorab, weil gerade dieses Thema vor seinem gesamten kulturellen Hintergrund für mich hochassoziativ ist, und ich meine ganzen Eindrücke, gesehene und gelesene Medien und eigenen Ideen sicherlich kaum so vortrefflich geschichtlich aufbereitet bekommen hätte wie es Markoff getan und geschafft hat. Schade nur, dass das Buch dort aufhört, wo ein gewisser William Henry Gates der Dritte das Feld betritt.
(Ich hatte in das Thema mit Serial Experiments: Lain
einen fiktionalen Einstieg mit realer Referenz, viel Philosophie und “brainfuck”; die Doku Das Netz
war ohne Zweifel toll, um interessante und beteiligte Menschen, ihre Ideen und Werke als Interview-Partner vorgestellt zu bekommen, aber gleichzeitig im späteren Verlauf eine fragwürdige Plattform für Kaczysnskis “Theorie” bot.)
Erschienen 2005, ISBN 0670033820.
Truth, Lies and Trust on the Internetvon Monica T. Whitty und Adam Joinson ✭✭✭✩✩
Mehr wissenschaftliches zum Internet, hier aber praktisches (psychologisches) Material. Das Internet: Ort, an dem sich in der Tat Abgründe des Menschen finden lassen, aber auch ein Ort, an dem neue Qualitäten der zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen.
Diesem sozialen Raum, so lernen wir in dem Buch, liegen Wahrheit, Lüge und Vertrauen zugrunde. Vorgestellt und analysiert wird das durch empirische Sozialforschung, allerdings oft mit dem von mir gerne so genannten “Popcorn-Effekt”: man hört zu oder liest etwas, und ist überrascht, wie überrascht andere von solchen Offensichtlichkeiten sind, und wünscht sich, dass man Popcorn hätte, weil das großes Kino ist. Vieles ist nun wirklich evident, wenn man eben selbst darüber nachdenkt, wie dass die Anonymität des Netzes eine hohe Qualität des Sich-Preisgebens in Beziehungen ermöglicht, aber eben genauso Täuschung und Diffamierung. Den Beweis dazu führen dann die entsprechenden Studien an.
In der Tat, wie der Buchrücken verspricht, interessant für alle, die sich mit (deviantem) Verhalten im Internet und entsprechender Technologie auseinandersetzen, aber auch fast schon Pflichtlektüre für diejenigen, denen das eben nicht so offensichtlich ist oder nur die Schattenseiten aus den Medien kennen, und professionell mit dem Netz zu tun haben.
Erschienen 2008, ISBN 184169584X.
h+ magazine:
Abundance is a condition where everyone has enough to eat, a decent place to live, a steady income, good medical care, a good education, a safe neighborhood, a clean environment, and a secure retirement. Abundance is where poverty does not exist, and everyone has an opportunity to become rich. Peoples’ Capitalism is a pathway to Abundance in the United States before the year 2050. Peoples’ Capitalism is a plan to make every citizen into a capitalist, i.e., a person who owns capital assets and derives a significant income from them.
Mir hat sich allerdings noch nicht so recht erschlossen, woher das Einkommen dieses Kapitals dann kommen soll – schließlich hat man niemanden mehr, dem man Geld leihen könnte um dann von den Zinsraten zu leben.
Update: die Frage wurde in den Kommentaren gestellt und auch beantwortet:
Capital assets are the means of production e.g., factories, businesses, farms, food processing facilities, trucks, ships, railroads, airplanes, mines, oil drilling platforms, refinerys, chemical plants, power plants, and yes solar panel array factories. These earn money by creating goods and services that people want and need, and if they have income, will buy. This creates profits that are returned to the owners of the means of production.
Internet and Societyvon Christian Fuchs ✭✭✭✭✩
Zwar gibt es schon diverse (mehr oder weniger) wissenschaftliche Veröffentlichungen, die sich mit Themen des Internets beschäftigen, aber es wird – so Christian Fuchs – eine primär theoretisch-fundierte Theorie von “Internet und Gesellschaft” benötigt, und dass diese kritisch in ihrem Anspruch sein sollte.
Und liefert dann auch eine: In “Internet and Society” legt Fuchs nieder, wie das Internet das Leben der Menschen und ihre sozialen Bindungen in der aktuellen Gesellschaft verändert hat. Er skizziert dabei eine Sozialtheorie über das Internet und die Informationsgesellschaft und zeigt wie politische, ökonomische, ökologische und kulturelle Systeme durch Informations- und Kommunikationstechnologie verändert wurden und werden. Dabei hat sie ihren Ursprung in der Frankfurter Schule
(und damit neomarxistischen Idealen) und Konzepten der sozialen Selbstorganisation.
In der Kürze dieses Eintrages, der dann auch mehr eine Zusammenfassung ist, ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik und dem Anspruch leider nicht möglich, deswegen nur soviel: ein interessanter, natürlich nicht zu überprüfender, ganzheitlicher Ansatz mit vielen spannenden Ideen vor einem wissenschaftstheoretischem Hintergrund, der es wert ist, sich bei Affinität zu dem Thema selbst eine Meinung zu bilden.
Erschienen 2008, ISBN 184169584X.
David Gelernter:
Weil viele der Softwaremodelle, auf die wir uns verlassen, zu komplex sind, als dass die Öffentlichkeit sie verstehen könnte - und oft auch zu komplex, als dass irgendjemand sie verstehen könnte -, ähneln die Urteile, die sie uns verkünden, den unerfindlichen bürokratischen Diktaten eines kafkaesken Staats, denen fraglos Folge zu leisten ist, obwohl keiner sie erklären kann.