Yochai Benkler (Wealth of Networks) erklärt wie kollaborative Projekte wie Wikipedia und Linux den nächsten Schritt der menschlichen Organisation repräsentieren. Durch durchbrechen traditioneller ökonomischer Produktion, Urheberrechten und etabliertem Konkurrenzkampf bereiten sie den Weg für neue ökonomische Gesetze, in denen aktive und einflussreiche Individuen auf demselben Feld wie Industriegiganten spielen.
Dieser Eintrag erschien ursprünglich Mitte 2009 bei Immersion I/O. Aus einem Gespräch heraus mit einem Freund veröffentliche ich ihn erneut.
Und der andere Eintrag, um dessen Wiederveröffentlichung mich ein Freund bat. Er erschien ursprünglich Anfang 2010 bei Immersion I/O.
Sampling: im Kontext der Musikproduktion das Aufgreifen von Teilen aus Schöpfungen von Dritten, um sie in eigene Werke zu integrieren oder neue damit zu erschaffen.
Nach dieser Definition kann — und sollte — das Sampling auch als elementarer Bestandteil jeder Art von Kultur (mit eben Musik als einer ihrer komprimiertesten Ausdrücke) verstanden werden. Vom Kulturverständnis ganzer Nationen (zum Beispiel in Form des Integrations- oder gar Assimilationsverständnisses) über die Alltagskultur bis hin zu Subkulturen: ohne das ständige Übernehmen, um es wertfrei zu formulieren, und Um- und Einarbeiten in Bestehendes hätte es sicher keine Evolution von Kulturen gegeben (als Beispiel einer Hochkultur sei mal das römische Reich genannt).
Zum Video: Der Song High Plains Drifter aus dem Album Paul's Boutique von den Beastie Boys. Das Album nutzt insgesamt 105 Samples. (Kein offizielles Video.)
Gerade in Form von Kulturgütern kann man die Auswirkungen des Samplings direkt erfahren, und um mit dem Beispiel der Musik fortzufahren (an dessen Stelle aber genauso Software-Patente stehen könnten): nahezu die gesamte Popkultur baut auf Sampling, Cover und Interpretation von bereits da gewesenem auf. Nicht sehr verwunderlich stößt das in einer Gesellschaft, die “geistiges Eigentum” als Macht- und Handelsinstrument betrachtet, immer wieder auf Kontroversen, und das nicht nur bei den Eigentümern und insbesondere den Verwerten von geglaubtem “geistigen Eigentum”, sondern auch bei Individuen, die an diesen Kulturgütern teilhaben. Statt aber zu akzeptieren, dass das Sampling nun mal stattfindet und eben Teil jeder Art von Kultur ist, und darauf aufzubauen, dass jemand denkt, dass das eigene Werk es wert ist in Teilen zitiert zu werden, und sich gegebenenfalls neue Möglichkeiten der Vergütung zu überlegen, entstehen aus kognitiven Dissonanzen die interessantesten Ansätze, um persönliche Ansprüche, wie auch immer geartet, zu rechtfertigen und einen konstruktiven Diskurs zu unterbinden.
Früher gehörte ich auch zu denen, die sich über das Sampling aufgeregt haben, bis ich eben begriffen habe, warum es auf Aggregatebene sogar gut ist: Am Ende profitiert die Allgemeinheit davon. Für den einzelnen, ursprünglichen Urheber, aber auch für den, der samplet, hat das andere Auswirkungen, unbestritten. Der Urheber kann sich jedoch ohnehin nicht gegen Sampling wehren (es könnte zwar vielleicht juristisch untersagt werden, aber nur, weil es nicht sein darf, wird es nicht aufhören zu passieren), und sollte sich vielleicht lieber darüber Gedanken machen, welche Implikation sein Schaffen hat, wenn er es in die Welt stellt. Der Anspruch auf Eigentum am eigenen Werk ist nicht abzustreiten, man kann aber auch davon leben, ohne die Rechte daran auf die abenteuerlichsten Weisen durchsetzen (es anderen unterbinden) zu wollen. Den großen Labels, gemein hin als Musikindustrie bezeichnet, sollte in diesem Zuge auch noch klar werden, dass die Interessen der Allgemeinheit eindeutig die (finanziellen) Interessen einiger weniger überwiegen (als kleinen Ausflug empfehle ich diesen Kommentar, insbesondere zur Verhältnismäßigkeit des “Anspruchs” und dem Wunsch seiner Durchsetzung), und schließlich ihre gesamte Maschinerie auf Kulturgut aufbaut — und nicht umgekehrt.
Moralisch, das sei allerdings an dieser Stelle genau so erwähnt, sollte man sich als “Übernehmer” sehr wohl dazu äußern und dem Urheber des zitierten Werkes und eben dem Werk Tribut zollen (deswegen mag ich die Creative Commons). Natürlich werden sich nicht alle daran halten, im schlimmsten Fall das Zitat als eigenes Werk ausgeben, aber deswegen darf es nicht anderen verboten werden, auch wenn es bestimmt unzufriedenstellend für den Urheber sein kann. Wenn allerdings anfangen wird, besonders gewerbsmäßig die Werke anderer in einem Maße zu zitieren, das eine eigene Schöpfung nicht mehr erkennbar ist (es eben ein Cover ist), greift das natürlich nicht mehr ohne Weiteres und der Urheber sollte entsprechend am Gewinn teilhaben dürfen. Aber auch hier sollte dem Schaffenden klar sein, dass Kulturgüter keine exklusiven Konsumgüter sind und sein können, und es offenbart sich das Problem des “geistigen Eigentums”: ein reines Konsumieren ohne Verarbeitung (wie auch immer diese aussieht) ist ohnehin nicht möglich.
Zum Video: Der Song Jeep Sex aus dem Album My Way von Akufen. Das Album nutzt ungefähr 2000 Samples, die der Künstler aus dem Radio aufgenommen hat. (Kein offizielles Video.)
Denjenigen, die das Sampling auf persönlicher Ebene stört, sei dann auch noch gesagt: “Was dem Urheber/Verwerter seine Angst an Verlust von Exklusivität (meistens realisiert durch Einnahmen) ist, ist dem Sampling abgeneigtem Musikfreund sein elitäres Gehabe.” Schließlich ist es eben oft genau das Sampling, dass einen neuen (musikalischen) Einfluss einer Zuhörerschaft eröffnen kann, die sich damit vielleicht sonst nicht beschäftigt hätte, sie es dann tut und es ihr gefällt.
The latest Stephen Fry podcast, Language, is an outstanding rant on the absurdity of being a pedant about the English language, that most glorious, reeling drunken bastard of a tongue that has neither academy nor dictator to rule on "correctness" and so has blossomed into a million variegated subforms in every corner of the globe. Fry excoriates people who insist on "correctness" in language, and urges us all to speak in ways that entertain and please us, rather than adhering to some rigid, notional code (among other things, he has withering contempt for people who complain about the verbing of nouns, pointing out Shakespeare's proclivity for same, and the prevalence of verbed nouns such as "propositioning" in our everyday speech).
Schön, über so etwas mal auf einer von wirklich vielen Menschen besuchten Website zu lesen. Diese Diskussion wünsche ich mir auch für den deutschen Sprachraum — als Gegensatz zu diesem grassierenden, derweil gar kollektiven Wahnsinn eines Sicks. (Eine lebende) Sprache ist Konsens und nicht Ergebnis eines Regelwerks. Sie nährt sich von Wandel, Anpassung und Erneuerung, umarmt so Subkulturen und schafft Ausdruck für zuvor noch nicht Dagewesenes — was für ein Unfug, da Sprache “rein” halten zu wollen und sich an eine Momentaufnahme zu klammern (die dann voll mit Fremdwörtern ihrer Zeit ist). Statt zu erhalten würde konserviert: Eine Sprache ohne Veränderung ist eine tote Sprache.
Leo Welch sagte, Sprache ist Sprechen, und dabei wandelt sie sich. Sprache interessiert dabei auch nicht, ob sie “darf” oder ob “richtig”, denn “falsch” wäre nur, was nicht verstanden wird (und “nicht dürfen” ist wohl eher ein gesellschaftliches Problem). Ob es nun gefällt oder oder nicht, Sprache lebt, und wer das akzeptiert, hat mehr Spaß an ihr. Und mit ihr.
(Dieser Eintrag erschien ursprünglich Anfang 2009 bei Immersion I/O.)
It’s 2010, and transhumanism has already won. Billions of people around the world would love to upgrade their bodies, extend their youth, and amplify their powers of perception, thought, and action with the assistance of safe and tested technologies. The urge to be something more, to go beyond, is the norm rather than the exception.
Weil viele der Softwaremodelle, auf die wir uns verlassen, zu komplex sind, als dass die Öffentlichkeit sie verstehen könnte - und oft auch zu komplex, als dass irgendjemand sie verstehen könnte -, ähneln die Urteile, die sie uns verkünden, den unerfindlichen bürokratischen Diktaten eines kafkaesken Staats, denen fraglos Folge zu leisten ist, obwohl keiner sie erklären kann.
Many Space Fans have been asking for more information about black holes, specifically, what would it be like to go inside one? Andrew Hamilton of the University of Colorado made this amazing animation and I wrote a script around it.
We don’t usually think of extremism as a byproduct of the information age. Most analyses of the subject focus on social or psychological factors. We are told, for example, that Islamic radicals are reacting to poverty, to lack of education, to political suppression, to a sense of cultural marginalization by the West, or to religious leaders, and that their eruption is a way of redressing their perceived grievances. The problem with this analysis is that many of the radicals, most obviously Osama bin Laden and his deputy Ayman Al-Zawahiri, were wealthy and well-educated.
Are there any facts we can count on anymore in this protean world of ours? Or is it all just smoke and mirrors, like a dream, and entirely subjective? What’s with science these days, the supposedly reliable arbiter of modern realities and verities?
Wert zu reflektieren, und wenn schon nur für I believe that Good Enough is the enemy of excellence, and that we are far too willing to settle.