netzwerk-organisatorische formen
von Benjamin Wittorf

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Feature: Sommerleseliste

Endlich wird das Wetter gut – Zeit, eine Liste von Büchern zusammen zu stellen, die ich gerade lese und im Sommer 2010 lesen werde. Oder es mir zumindest vornehme. (Dank an Mark Safranksi für die Idee.)

Diese Bücher lese ich gerade

  • The Information Broker's Handbook von Sue Rugge & Alfred Glossbrenner
    Trotz des Alters noch immer das Buch zum Einstieg in und als Referenz für das Informationsgewerbe, der competitive intelligence. Derweil suche ich noch immer nach einem Rechner mit Diskettenlaufwerk. Muss wohl (retrospektiv) die erste Aufgabe zur Informationsbeschaffung sein. Ausführlichere Besprechung wird folgen.
    ISBN 007911878X
  • The Way of the Superior Man von David Deida
    Der Titel des Buches klingt so übertrieben übertrieben, dass ich einfach einen Blick reinwerfen musste. Allerdings ist es wohl mehr ein Beziehungsratgeber – und so bleibt als Einstieg in ein ganzheitliches Konzept einfach noch immer Think and Grow Rich von Napoleon Hill.
    ISBN 1591792576
  • Psycho-Cybernetics von Maxwell Maltz
    Eigentlich soll man ja Bücher nicht nach dem Umschlag beurteilen, aber ein Buch, dessen Titel Kybernetik und Psychologie vereint, und dazu sich auch um Persönlichkeitsentwicklung dreht? Da konnte ich auch nicht nein sagen. Glück und Erfolg als Angewohnheit jedenfalls ist eine exzellente Einstellung. Ob's dem Titel gerecht wird?
    ISBN 0671700758
  • Tribes von Seth Godin
    Über das Führen von Gruppen und Gemeinschaften im Netz. Ausführlichere Besprechung wird folgen.
    ISBN 1591842336
  • Social Media 101 von Chris Brogan
    Trust Agent-Autor Chris Brogans Ergebnisse in Form einer Anleitung nach zweijähriger Recherche rund um best practices, um den Wert von social media- und social networking-Kampagnen zu erhöhen.
    ISBN 0470563419
  • Inside Cyberwarfare von Jeffrey Carr
    Faszinierende Einblicke, wie Länder, Gruppen und Individuen das Internet als Angriffsplattform nutzen, um sich gegenüber Gegnern einen militärischen, politischen und ökonomischen Vorteil zu verschaffen. Ausführlichere Besprechung wird folgen.
    ISBN 0596802153

Diese Bücher stehen auf meiner Wunschliste / werde ich lesen

  • Structured Analytic Techniques for Intelligence Analysis von Richards J. Heuer Jr.
    ISBN 978-1608710188
  • Why Intelligence Fails: Lessons from the Iranian Revolution and the Iraq War von Robert Jervis
    ISBN 978-0801447853
  • The Insurgent Archipelago von John Mackinlay
    ISBN 978-1849040136
  • The John Boyd Roundtable: Debating Science, Strategy, and War von Mark Safranski
    ISBN 978-1934840467
  • Tokyo Zero: A Novel von Marc Horne
    ISBN 978-1434806642
  • Going Postal: Rage, Murder, and Rebellion: From Reagan's Workplaces to Clinton's Columbine and Beyond von Mark Ames
    ISBN 978-1932360820
  • The Human Factor: Inside the CIA's Dysfunctional Intelligence Culture von Ishmael Jones
    ISBN 978-1594033827
  • The Accidental Guerrilla: Fighting Small Wars in the Midst of a Big One von David Kilcullen
    ISBN 978-0195368345
  • The Official CIA Manual of Trickery and Deception von Keith Melton
    ISBN 978-0061725890
  • Politik und Regieren in Deutschland, Strukturen, Prozesse, Entscheidungen von Karl-Rudolf Korte
    ISBN 978-3825224363
  • Surviving Cyberwar von Richard Stiennon
    ISBN 978-1605906744
  • The Principle of the Path: How to Get from Where You Are to Where You Want to Be von Andy Stanley
    ISBN 978-0849920608
  • The Mindful Brain: Reflection and Attunement in the Cultivation of Well-Being von Daniel Siegel
    ISBN 978-0393704709

Ach, doch ein paar.

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Gelesen: Die Kriegssprachen von Pao von Jack Vance ✭✭✭✩✩

Vance stellt in dem Science-Fiction-Roman die Theorie auf, dass die Art und das Verhalten eines Volkes von seiner Sprache nicht nur beeinflusst ist, sondern darauf beruht. Sicherlich (noch immer) interessant als leichte Diskussionsbasis für Psycholinguistiker (und ob es nicht vielleicht vice versa ist), aber auch so dem Thema entsprechend gut und spannend formuliert.

Erschienen 1958, ISBN 3404211847.

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Gelesen: Atlas Shrugged von Ayn Rand ✭✭✩✩✩

Eines der für viele in den USA aufgewachsenen Intellektuellen der Neuzeit prägendsten Bücher, gipfelt in diesem der Rand'sche Objektivismus. Literarisch nicht unbedingt ein Meisterwerk, mit durchaus interessanten aber zu vereinfachten philosophischen und (ich-bezogenen) gesellschaftlichen und daraus resultierenden moralischen Prinzipien - aber auch fragwürdigen ästhetischen Idealen. Unablässig in der amerikanischen Diskussion rund um Firmen(kultur), Ethik und Libertarianismus.

Erschienen 1957, ISBN 0451191145.

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Gelesen: The Whuffie Factor von Tara Hunt ✭✭✭✭✩

Schon der Weg zu dem Buch ist für jeden, der sich mit dem Internet nicht nur als Berieselungs- und Einkaufs- sondern auch gesellschaftlicher und geschäftlicher Plattform (und seinen entsprechenden Abhängigkeiten) beschäftigt, interessant: Ausgehend vom Cluetrain Manifesto entwarf Autorin Tara Hunt das “post-cluetrain” Pinko Marketing, um dann in Whuffie Factor die von Cory Doctorow in Down And Out In The Magic Kingdom benutzte Währung Whuffie (eine Art manifestiertes soziales Kapital) als abstrahiertes Konzept aufzugreifen, wie man soziale Netzwerke nutzen kann, um eine Firma aufzubauen: mit Authenzität, Zuhören, Engagement und Vertrauen. Dabei ist das Buch keine weitere Marketing-Anleitung – es erklärt, dass es nicht hilft, einfach Geld in ein Unternehmen zu pumpen, sondern dass es eben das soziale Kapital sei, dass das monetäre Kapital wachsen lasse. Besonders lesenswert für alle, die das Internet auch als geschäftliche Chance und nicht als Feind begreifen.

Erschienen 2009, ISBN 0307409503.

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Gelesen: The War Of Art von Steven Pressfield ✭✭✭✭✭

Jedem Menschen, der sich sich wünscht, etwas aus sich heraus zu erschaffen / zu vollenden / überhaupt damit anzufangen, aber es nicht tut, an Prokrastination oder Ängsten und anderen Ausreden leidet, sei dieses Buch unbedingt ans Herz gelegt. Zwar gibt es viele Bücher zu dem Thema, wie zum Beispiel Wie ich die Dinge erledigt kriege (David Allen), die inhaltlich bestimmt allesamt zutreffend sind – aber einfach nicht treffen. The War Of Art trifft (und damit auch kurz schmerzt), weil es nicht rationalisiert, sondern exakt das Gefühl erfasst und uns vor Augen führt, das uns davon abhält, eben das zu tun, was wir doch so gerne machen würden. Vielleicht mag die offensichtliche (auch stilistische) Analogie zu Sūnzǐs Die Kunst des Krieges zu martialisch erscheinen; wenn man aber dieses Gefühl, diesen Widerstand als einen die Existenz bedrohenden Feind begreift, gilt es ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen. Dabei wird nach Höherem – der Profession – gestrebt. Auch wenn Pressfield dazu in der zweiten Hälfte des Buches ins göttliche gleitet und (nicht nur) auf diese Weise Dinge herleitet, ist es für mich als rationalen Menschen dennoch erstaunlicherweise nicht Ablehnung erzeugend. Anders: es funktioniert. (Vielleicht denke ich zuviel.)

Erschienen 2003, ISBN 0446691437.

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Gelesen: Breakpoint von Richard A. Clarke ✭✭✭✩✩

Bei Clarke, der seit 1973 mit der US-Regierung arbeitet – ehemals im Office of the Secretary of Defense, dann in Bereichen wie nationale Sicherheit, Anti-Terror und Militär – kann man davon ausgehen, dass er nicht bloß einfach über das gelesen hat, worüber er schon geschrieben hat, ob Sachbuch oder Fiktion. Umso interessanter ist es, wie “so jemand” sich Gedanken um die Zukunft macht. In Breakpoint nähert er sich dabei der Singularität: wie Wissenschaft den Mensch neu erschaffen und erweitern wird, und Gen-Forschung so ein empfindungsfähiges Computerprogramm schafft, dass global vernetzt sein wird. Kein gewöhnliches Sci-Fi-Buch, aber eben auch keines für jeden.

Erschienen 2007, ISBN 0399153780.

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Gelesen: Confessions Of An Economic Hit Man von John Perkins ✭✭✭✭✩

Eines dieser Bücher, bei denen, wenn sie bloß im Kern nur zum Teil schon wahr sein sollten, man sich denkt, dass das doch nicht wahr sein darf: John Perkins, ehemaliger “chief economist” bei einer Bostoner Consulting-Firma, berichtet in diesem Buch, wie er 10 Jahre lang für amerikanische Geheimdienste und multinationale Großunternehmen diverse ausländische Staatschefs vornehmlich der dritten Welt dazu “überredet” hat, der amerikanischen Außenpolitik gegenüber wohlgesonnen zu sein und lukrative Aufträge an amerikanische Unternehmen auszuschreiben. Sehr spannend.

Erschienen 2005, ISBN 0452287081.

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Gelesen: What The Dormouse Said von John Markoff ✭✭✭✭✩

Ein wunderbares Buch nicht nur über die Geschichte, wie der Personal Computer dort gelandet ist, wo er jetzt ist, sondern besonders, wie es dazu gekommen ist und die Gegenkultur der 1960er grundlegend dazu beigetragen hat. Die Bemerkung erlaube ich mir bereits vorab, weil gerade dieses Thema vor seinem gesamten kulturellen Hintergrund für mich hochassoziativ ist, und ich meine ganzen Eindrücke, gesehene und gelesene Medien und eigenen Ideen sicherlich kaum so vortrefflich geschichtlich aufbereitet bekommen hätte wie es Markoff getan und geschafft hat. Schade nur, dass das Buch dort aufhört, wo ein gewisser William Henry Gates der Dritte das Feld betritt.

(Ich hatte in das Thema mit Serial Experiments: Lain einen fiktionalen Einstieg mit realer Referenz, viel Philosophie und “brainfuck”; die Doku Das Netz war ohne Zweifel toll, um interessante und beteiligte Menschen, ihre Ideen und Werke als Interview-Partner vorgestellt zu bekommen, aber gleichzeitig im späteren Verlauf eine fragwürdige Plattform für Kaczysnskis “Theorie” bot.)

Erschienen 2005, ISBN 0670033820.

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Gelesen: Truth, Lies And Trust On The Internet von Monica T. Whitty und Adam Joinson ✭✭✭✩✩

Mehr wissenschaftliches zum Internet, hier aber praktisches (psychologisches) Material. Das Internet: Ort, an dem sich in der Tat Abgründe des Menschen finden lassen, aber auch ein Ort, an dem neue Qualitäten der zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen.

Diesem sozialen Raum, so lernen wir in dem Buch, liegen Wahrheit, Lüge und Vertrauen zugrunde. Vorgestellt und analysiert wird das durch empirische Sozialforschung, allerdings oft mit dem von mir gerne so genannten “Popcorn-Effekt”: man hört zu oder liest etwas, und ist überrascht, wie überrascht andere von solchen Offensichtlichkeiten sind, und wünscht sich, dass man Popcorn hätte, weil das großes Kino ist. Vieles ist nun wirklich evident, wenn man eben selbst darüber nachdenkt, wie dass die Anonymität des Netzes eine hohe Qualität des Sich-Preisgebens in Beziehungen ermöglicht, aber eben genauso Täuschung und Diffamierung. Den Beweis dazu führen dann die entsprechenden Studien an.

In der Tat, wie der Buchrücken verspricht, interessant für alle, die sich mit (deviantem) Verhalten im Internet und entsprechender Technologie auseinandersetzen, aber auch fast schon Pflichtlektüre für diejenigen, denen das eben nicht so offensichtlich ist oder nur die Schattenseiten aus den Medien kennen, und professionell mit dem Netz zu tun haben.

Erschienen 2008, ISBN 184169584X.

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Gelesen: Internet And Society von Christian Fuchs ✭✭✭✭✩

Zwar gibt es schon diverse (mehr oder weniger) wissenschaftliche Veröffentlichungen, die sich mit Themen des Internets beschäftigen, aber es wird – so Christian Fuchs – eine primär theoretisch-fundierte Theorie von “Internet und Gesellschaft” benötigt, und dass diese kritisch in ihrem Anspruch sein sollte.

Und liefert dann auch eine: In “Internet and Society” legt Fuchs nieder, wie das Internet das Leben der Menschen und ihre sozialen Bindungen in der aktuellen Gesellschaft verändert hat. Er skizziert dabei eine Sozialtheorie über das Internet und die Informationsgesellschaft und zeigt wie politische, ökonomische, ökologische und kulturelle Systeme durch Informations- und Kommunikationstechnologie verändert wurden und werden. Dabei hat sie ihren Ursprung in der Frankfurter Schule (und damit neomarxistischen Idealen) und Konzepten der sozialen Selbstorganisation.

In der Kürze dieses Eintrages, der dann auch mehr eine Zusammenfassung ist, ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik und dem Anspruch leider nicht möglich, deswegen nur soviel: ein interessanter, natürlich nicht zu überprüfender, ganzheitlicher Ansatz mit vielen spannenden Ideen vor einem wissenschaftstheoretischem Hintergrund, der es wert ist, sich bei Affinität zu dem Thema selbst eine Meinung zu bilden.

Erschienen 2008, ISBN 184169584X.

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