netzwerk-organisatorische formen
von Benjamin Wittorf

Archiv: August 2011 (13 Einträge)

Der Lanier–Effekt

Jaron Lanier:

If you aspire to use computer network power to become a global force through shaping the world instead of acting as a local player in an unfathomably large environment, when you make that global flip, you can no longer play the game of advantaging the design of the world to yourself and expect it to be sustainable. The great difficulty of becoming powerful and getting close to a computer network is: Can people learn to forego the temptations, the heroin-like rewards of being able to reform the world to your own advantage in order to instead make something sustainable?

Schöne und spannende Lektüre zum Abend. Das knapp einstündige Video zum Artikel gibt es dann zum Frühstück.

Wohin mit meinem Geld, bevor die Wirtschaft kollabiert?

John Robb:

The SFr and gold are definitely a 1970's approach. The problem with this crisis, as opposed to previous one, is that it is systemic/global. It is a crisis of capitalism and therefore not confined to any subset of countries.

Berechtigte Fragestellung mit einer sehr ansprechenden Antwort, die deutlich mehr das Mensch–sein anspricht als Kapitalismuskritiker zu üben. Erwähnenswert: sein Projekt MiiU.

Timothy Leary über Kybernetik und eine neue globale Kultur

Timothy Leary:

The new breed is jumping the gene pools, forming postindustrial, global meme-pools. They are the informates. From their earliest years, most of their defining memes have come flashing at light speed across borders in digital-electronic form, light signals received by screens and radios and record players. Their habitat is the electron-sphere, the environment of digital signals that is called the info-world. The global village.

Viel interessantes und im Nachhinein einiges wahres in den Auszügen — ich stelle aber mal in den Raum, dass es auch in Zukunft immer nur einige wenige sein werden, und es selten leichter war, sheeple zu erziehen. Lesenswerte weiterführende Links unter dem Artikel.

Via Sam Liles.

Ein Weißbuch zur zeitlichen Analyse

Recorded Future:

Recorded Future is bringing a new category of analytics tools to market. Unlike traditional search engines which focus on text retrieval and leaves the analysis to the user, we strive to provide tools which assist in identifying and understanding historical developments, and which can also help formulate hypotheses about and give clues to likely future events. We have decided on the term “temporal analytics” to describe the time oriented analysis tasks supported by our systems.

Sehr interessant zu lesen (und erinnert mich daran, wieder As We May Think von Vannevar Bush zu lesen). Das Tool selbst scheint auch recht interessant zu sein — mal genauer ansehen.

Via Skilluminati.

Mit offenen Karten: Das digitale Schlachtfeld

LEPAC:

Mit welchen Technologien wird heutzutage Krieg geführt? Mit unbemannten Luftfahrzeugen, den so genannten „Drohnen", Kampfanzügen mit GPS-Empfänger, Nachtsichtkamera und Körperschallmikrofon sowie einer umfassenden Vernetzung für den Informationsaustausch in Echtzeit.

Zwar von 2009, aber noch aktuell und nicht weniger interessant.

Via @study4cyberwar.

Gelesen: Ich krieg dich! von Leo Martin ✭✭✭✩✩

Der Klappentext verspricht mehr als inhaltlich wirklich abfällt: Zwar wartet Leo Martin mit einer durchaus spannenden und interessanten Geschichte um das Anwerben von V-Männern auf, seine Strategien “wie man Menschen für sich gewinnt” erweisen sich allerdings eher als allgemeine Lebensweisheiten, eingepackt in eben diese Geschichte. Zu viel Rahmenhandlung für zu wenig echte Einsichten.

Das ist aber nicht so schlecht wie es klingt. Als Einstieg oder kurzen Ausflug in die Thematik (ob nun Geheimdienste oder über den bewussten Umgang mit Menschen) ist das Buch sicherlich ausreichend und vielleicht sogar zu empfehlen. Es ist schließlich recht kurzweilige Unterhaltung mit der einen oder anderen qualitativen Empfehlung, die insgesamt ja nicht falsch sind. Vielleicht sollte sich der Autor auf weitere solcher Geschichten aus seiner Dienstzeit konzentrieren: In und als Serie könnte das ein schönes deutsches Gegenstück zu amerikanischen Serien wie The Mentalist sein. Das die Geschichte in diesem Fall zum Ende nicht mehr so ganz glaubwürdig erscheinen mag, muss übrigens nicht gegen sie sprechen. Wie sagte Tom Clancy? The difference between reality and fiction? Fiction has to make sense.

Wer es aber in dem Kontext Nachrichtendienste psychologisch gerne sachlich fundierter hätte, sollte sich in der Tat die von ihm zitierte Schriftenreihe Nachrichtendienstpsychologie durchlesen. Wen das Thema Einflussnahme auf Menschen im speziellen interessiert, ist wahrscheinlich mit Büchern rund um Cold Reading, Körpersprache und Rhetorik besser aufgehoben. (Die moralischen Implikationen dabei sollte jeder für sich selbst reflektieren.) Ansonsten bleibt der von Martin ebenfalls empfohlene Klassiker How to Win Friends and Influence People von Dale Carnegie.

Erschienen 2011, ISBN 3424200506.

Quantencomputer, Copyright, und das (nicht–)Beenden davon

Ben Jones:

So, what if you could create every possible picture? What if you took a fairly low resolution (say 500×500) and a reasonably low colour mix (say 256 colours) and tried to create every single image? What then would be the state of copyright? It’s the visual equivalent of the infinite monkey theorem.

9,802*1010602059 verschiedene Bilder sind es. Was allerdings als recht interessantes Gedankenexperiment anfängt, würde wahrscheinlich schon an der Wirklichkeit des tatsächlichen Urheberrechts (hier wenigstens für die USA gesprochen) scheitern: Es müsste in einem Rechtsstreit die Vorsätzlichkeit eines Urheberrechtsverstoßes nachgewiesen werden, also dass für ein kopiertes Bild vorher das Original gesehen wurde. Es würde nicht ausreichen, die Bilder zu generieren, und in einem weiteren Schritt vielleicht sogar entsprechend rechtlich schützen zu lassen.

Das wird in Zukunft sicherlich aber (fast schon hoffentlich) niemanden davon abbringen lassen, sich ein Gesetz zu überlegen, dass den Schutz von automatisiert erstellten Werken im Vorfeld ausschließt — falls das nicht in Deutschland bereits der Fall ist (Eigenleistung und/oder Schöpfungshöhe?). Ich bin allerdings kein Anwalt, und ein entsprechender Kommentar dazu ist sicherlich aufschlussreich.

Etwas ähnliches hatte ich mir auch mal überlegt, wenn auch mit Musik: Von keiner bis drei Noten in allen möglichen Varianten (zum Beispiel Achtel, Triolen, aber auch Dynamik) über vier oder fünf Oktaven und einen Zeitraum von vier Takten hinweg entsprechende Notationen und MIDIs generieren zu lassen, und diese natürlich auch in Form einer Webpräsenz öffentlich zu machen. Selbst wenn das (technisch) realisiert werden könnte, hätte ich mich trotzdem dagegen entschieden. Denn auch wenn ich vielleicht der lieben Musikindustrie für alle zukünftige Musik einen Strich durch die Rechnung machen könnte, würde sie mich sicherlich für jedes einzelne bisher erschienene urheberrechtliche geschützte Werk, die ich schließlich auch veröffentlicht hätte, jetzt verklagen. Ob das hinreichend aufwiegen würde?

Verwandt, und überaus lesenswert: What Colour are your bits? von Matthew Skala (in dem Artikel wird auch 4′33″ von John Cage aufgegriffen). Übrigens gibt es wohl ein Programm, das theoretisch (und sicherlich weniger praktisch) jedes Bild erstellen kann: Omniscientron.

Via Marcel Weiß.

Feature: Neu bei netzwerk-organisatorische formen: neues Design und Kommentieren möglich

Alles neu macht der ausgebliebene Sommer. Dank Aufenthalt im ruhigen Kämmerlein daheim ist nof.io nicht nur umgezogen — bei der Gelegenheit habe ich netzwerk-organisatorische formen ein neues Design verpasst. Und, das ist die wirkliche Neuigkeit, Kommentieren ist endlich möglich.

Auf die Kommentare und den Austausch bin ich am meisten gespannt. Gerade weil das Netz kein Feld der Träume ist, werde ich mehr als vorher bewusst den Dialog suchen. Fangen wir doch harmlos mit dem Design an, das übrigens mit alten Browsern (Internet Explorer 8 und älter) absichtlich nicht mehr funktioniert.

Die Gelegenheit des visuellen Relaunchs nutze ich übrigens auch, um neue Themengebiete zu probieren, die mir regelmäßigeres Schreiben ermöglichen. Das wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Zum Umzug / zur Technik lasse ich mich auf Anfrage in den Kommentaren aus (ich werfe nur schon mal so tolle Dinge wie nginx, Varnish und ein selbstgeschriebenes Movable Type caching plugin in den Raum). Und vielleicht auch dazu, warum ich nun Kommentare erlaube.