Feature: Wie man seine Musik (mit iTunes) aufräumt und aufgeräumt hält
Ein Eintrag, der nur indirekt mit den Themen von netzwerk-organisatorische formen zu tun hat: digitale Ordnung, hier an einem Beispiel. Eine meiner größten Leidenschaften ist die Musik, und da sammelt sich eine Menge an. Damit ich den Überblick behalte, pflege ich die digitalen Klanggüter äußerst akribisch. Wenn deine Sammlung also auch groß — oder größer! — ist, und du langsam die Übersicht verlierst oder sie langsam zerfasert: Da lässt sich was machen. Eine Einführung.

Übersicht
- Generelle Überlegungen
- Musik verwalten: bestehende verwalten und neue hinzufügen
- Musik abspielen
- Und sonst so
- Downloads zu diesem Eintrag
- Fragen? Ideen? Anregungen?
Generelle Überlegungen
Ein wenig Vorarbeit hilft, um einige Probleme in der Zukunft zu vermeiden. Dabei folge ich diesen Strategien:
Keine manuelle physische Dateiverwaltung
Das bedeutet, dass ich eine Musikverwaltungssoftware benutze und ihr die Dateiverwaltung überlasse. In meinem Fall ist das iTunes. Über das Für und Wider kann man streiten; ich habe bisher keine Software gefunden, die große Mengen an Musik besser und komfortabler verwalten kann. Schön ist außerdem die Integration ins restliche System.
Nur ganze Alben
Einzelne Lieder gibt es bei mir nicht. Bei einem einzelnen Lied folgt entweder das ganze Album, und wenn das nichts ist, dann kann das eine Lied noch so gut sein — es landet im digitalen Nirvana.
Einfügen bedeutet einpflegen
In dem Augenblick, in dem ich zu iTunes Musik hinzufüge, pflege ich sie auch ein. Das bedeutet, dass ich mich unmittelbar um fehlende oder falsche Tags bemühe, die (für mich) richtige Schreibweise sicher stelle, Cover hinzufüge (jedes meiner Alben hat eines), und so weiter. Ein Album nach dem anderen statt gleichzeitig hilft auch ungemein.
Hilfsmittel sind super
Praktischerweise muss man nicht alles vollständig selbst machen: Automatisieren ist das Stichwort. (Wenn mir keine Cover vorliegen oder ich sie bei mehreren Alben hinzufügen muss, benutze ich CoverScout. Die von iTunes unterstützte “Durchschnittslautstärke” lasse ich mit iVolume ermitteln. Fast alle Arbeiten rund um Tags erledige ich mit Scripts. Unvollständige Alben finde ich mit Incomplete — die Bibliothek sollte dafür vorher schon sauber getagt sein. Besonders wichtig für sämtliche Übersichten sind aber intelligente Wiedergabelisten.)
Verlustfreie Formate rocken
Ob man HiFi-Freund ist oder nicht: Da Plattenplatz inzwischen so unglaublich günstig ist, gibt es fast keine Ausrede mehr, Musik nicht in verlustfreien Formaten zu speichern. Verlustfreie komprimierte Musik lässt sich jederzeit in verlustbehaftet komprimierte Musik konvertieren; zum Beispiel für mobile Abspielgeräte, um Platz zu sparen (das kann iTunes für iOS Geräte automatisch übernehmen). Anders herum funktioniert das natürlich nicht.
Musik verwalten: bestehende verwalten und neue hinzufügen
Zur semantischen Datenpflege: Richtig wichtig ist die Vollständigkeit der Tags Album
, Interpret
und ggf. Album-Interpret
, CD Nr. X von Y
, Jahr
, Titelnummer X von Y
, Compilation: Ja/Nein
, und das Genre. (Zur Schreibweise der Titel gleich etwas.)

Natürlich sollten sich alle Titel eines Albums den selben Album-Titel teilen (und nicht die CD-Nummer im Titel haben). Wenn das Album von einem Interpreten ist, sollte der Interpret überall gleich sein; wenn es mehrere Interpreten gibt, das Album aber von einem Künstler zusammen gestellt worden ist (wie DJ-Sessions, eine persönliche Auswahl, und ähnliches), dann sollten alle Titel den selben Album-Interpret haben. Gibt es mehrere Interpreten, aber handelt es sich um eine Compilation (Mix-CDs, Best-Ofs, und vergleichbares), dann sollte das Album (also alle Titel) als Compilation
markiert sein.
Hat das Album etwa 11 Lieder, sollten alle Titel nicht nur die Titel-Nummer, sondern auch die Gesamtzahl der Titel haben, also in dem Fall Titel 2 von 11. (So lassen sich später ggf. fehlende Titel finden.) Gleiches gilt für die CD-Nummer. Wenn es nur eine CD ist, dann sollte es CD 1 von 1 sein; bei mehreren CDs entsprechend zum Beispiel CD 2 von 4.
Selbstverständlich lassen sich auch noch andere Tags befüllen, wie zum Beispiel Komponist
. Während diese Informationen auch schön zu haben sind und nach Möglichkeit auch eingepflegt werden sollten, sind sie jedoch für die logische Integrität der Daten nicht von Bedeutung. Relativ entspannt ist ebenfalls das Genre — es sollte eines gesetzt sein, aber welches ist wohl wirklich Geschmacksache.
Bei der Namensgebung der Titel selbst folge ich dieser Struktur:
Titelname (feat. Gesangspartner) (Remix)
Bei Titelnamen schreibe ich generell jeden ersten Buchstaben groß, den Rest klein; die Eigenschreibweisen der Künstler sowie der Albennamen übernehme ich dagegen immer. Bei Ähnlichkeiten über meine Bibliothek hinweg bemühe ich mich um Gleichförmigkeit, zum Beispiel Titelname X (Pt. 1)
von Künstler A sowie Titelname Y (Pt. 3 — Teiltitel)
von Künstler B an anderer Stelle. Das lässt sich natürlich entsprechend fein unterteilen und fortsetzen (und wie das so geht: -
nutze ich nur dort, wo es ein Minus-Zeichen sein soll, als Bindestrich nutze ich –
, Untertitel und Unterbrechungen mit —
, etc.).
Bestehende Musik verwalten
Am leichtesten lässt sich bereits vorhandene Musik mit intelligenten Wiedergabelisten verwalten. Dabei unterscheide ich grob zwischen neu hinzugefügter Musik (Neu
), Musik, die zur Wiedergabe verteilt und bestimmt ist (Wiedergabespaß
), und Musik, die ich noch pflegen muss (Zu bearbeiten
).
Bei Neu
habe ich mehre intelligente Wiedergabelisten, die mir verschiedene Zeiträume zeigen (Heute
, In der letzten Woche
, etc.), und für Musik, die ich noch nicht gehört habe (Ungehört
sowie Überraschung!
für zufällige Reihenfolge).
Wiedergabespaß
hat intelligente Wiedergabelisten zum individuell angepassten Befüllen meiner portablen Geräte, für eine Übersicht meiner bestbewertesten und zu häufig gespielten Musik, zum Spielen von Musik, die ich schon seit längerer Zeit nicht mehr gehört habe, aber auch für Musik, die ich mir aus klangtechnischen Gründen noch mal vornehmen wollte (schlechte verlustbehaftete Kompression).
Bei Zu bearbeiten
finde ich alle Titel, die meinen Ordnungs-Kriterien nicht entsprechen. Dabei handelt es sich vor allem um Titel, denen Tags fehlen, eckige statt runden Klammern haben, Apostrophe fehlen oder in Leerzeichen enden, etc.
Außerdem zu beachten sind die zusätzlichen Spalten (Jahr
, CD-Nr.
, etc.), die man sich in iTunes einblenden lassen kann, und die eine gute Übersicht über fehlende Tags geben können.
Die Aufräumparty steigt dann bei Zu bearbeiten
, und ist reine Fleißarbeit. Hier gilt es, die aufgeführten Titel solange zu korrigieren, bis sie den Kriterien der Liste nicht mehr zuwider laufen und dann automatisch aus der Wiedergabeliste verschwinden. Dabei lässt sich auch einiges automatisieren, wie zum Beispiel Titel X von Y
über ein Album hinweg mit dem Script Albumize this
. Wenn das erledigt ist, ist das die Hälfte der Miete. Das, was noch übrig bleibt, lässt sich ebenfalls fast alles automatisieren. Über die gesamte Bibliothek können nun Scripts wie Capitalize titles
laufen. Fehlender Cover können mit CoverScout automatisch ermittelt und befüllt werden.
In den ersten Durchgängen läuft das wahrscheinlich nicht ganz rund, und man muss zwischen der Gesamtansicht der Bibliothek und Zu bearbeiten
hin und her springen, besonders, wenn man nicht vollständige Alben oder einzelne Titel findet. Die sollte man sich gesondert notieren, und dann später auffüllen — oder sofort löschen.
Neue Musik hinzufügen
Neue Musik füge ich in iTunes immer der Wiedergabeliste Temp
hinzu, wo ich sie direkt entsprechend der oben genannten Kriterien bearbeite. Auch bei der neuen Musik lassen sich die gröbsten Patzer über Zu bearbeiten
finden. In der Regel fehlen CD-Nummern und der von X-Teil bei Titelnummern. Bei ganz viel Pech verfügen die neu hinzugefügten Titel über gar keine Tags. Das kann man mit Werkzeugen wie SongGenie in den Griff bekommen, oder durch Fleißarbeit und vergleichen mit track lists bei Amazon. Anschließend lasse ich iVolume über das neue Album laufen.
Musik abspielen
Trotz seiner Offensichtlichkeit führe ich diesen Punkt gesondert auf. Gerade wenn man in der Hauptansicht ist, eine Suchanfrage angibt oder ein Album auswählt, die Musik abspielen lässt, und in derselben Maske dann die Auswahl ändert (weil man vielleicht Tags überarbeiten will), kann iTunes schon mal mit der Wiedergabe nach dem aktuellen Titel aufhören (weil ja eine neue Auswahl getroffen wurde). Deshalb bietet es sich an, die Musik, die man hören möchte, aus einer Wiedergabeliste spielen zu lassen (bei mir Playtime
), oder die Gesamtansicht durch eine intelligente Wiedergabeliste anzeigen zu lassen, wenn man einfach nur ein wenig stöbern möchte. Für beides lassen sich natürlich auch Werkzeuge nutzen, wie zum Beispiel Alfred:

Oder man nutzt eine eigenständige Wiedergabesoftware, die auf die Bibliothek von iTunes zurück greift (ich nutze Fidelia).
Und sonst so
Bleibt noch die Frage: Was machen mit alter oder ungewollter Musik? Wenn man wirklich viel Plattenplatz hat, würde ich sie erstmal aufheben. Wer weiß, wie man in ein paar Monaten oder Jahren über die Musik denkt. Ansonsten: löschen.
Technisch anzumerken bleibt vielleicht noch, dass ich meine Tags in ID3V2.3 speichern lasse. Ältere Formate, aber auch das neue 2.4, bringen oft Probleme, wenn man seine Titel auf nicht so tollen Geräten abspielen möchte, zum Beispiel Autoradios mit integrierten MP3-Playern.
Downloads zu diesem Eintrag
Intelligente Wiedergabelisten
Die intelligenten Wiedergabelisten (ZIP, 22 KB) lassen sich sowohl unter Windows als auch unter Mac OS X über das Menü Datei › Importieren einbinden. Sie erscheinen dann links in der Seitenleiste von iTunes. Die Gruppierungen können dem oben verlinkten Screenshot zu den intelligenten Wiedergabelisten oder der Dateistruktur im Archiv entnommen werden.
Scripts
Die Scripts (ZIP, 473 KB) funktionieren nur unter Mac OS X. Sie müssen in den Benutzerordner ~/Library/iTunes/Scripts kopiert werden, und erscheinen danach unmittelbar in iTunes im Script-Menü. Sehr viel mehr Scripts gibt es bei Doug's AppleScripts for iTunes.
XLD
Hervorragendes Programm zum konvertieren und importieren von verlustfrei komprimierter Musik.
Fragen? Ideen? Anregungen?
Wenn du Fragen, Ideen oder Anregungen hast, freue ich mich darüber bei Twitter, Facebook oder Google+ — oder hinterlasse einen Kommentar.