Feature: Ein kleiner Exkurs in die Philosophie der Zeit
Nach einem Gespräch über Zeitmanagement mit einem Freund hatte ich für ihn den folgenden exzellenten Kommentar, den ich in einem Blog, dass ich mal vor Jahren betrieb, erhalten habe, ausgegraben, da er genau meine Meinung widerspiegelt. (Ein Freund von mir, Funky Franz, hinterließ ihn, als ich ihm mal sagte, Entschuldigung, ich habe gerade keine Zeit
.) Nach freundlicher Rücksprache veröffentliche ich ihn aus einem ähnlichen Anlass erneut.
Ein kleiner Exkurs in die Philosophie der Zeit…
Zeit ist diejenige Ressource auf der Welt, die am gerechtesten verteilt ist: Jeder bekommt genau 24 Stunden am Tag.
Mal abgesehen von einigen Grundbedürfnissen wie Schlafen, Essen und Gesundheit, kann man mit diesen 24 Stunden genau das machen, was man für richtig und wichtig hält.
Da man als Arbeitsloser aber einen schlechten Stand hat und womöglich schief angeschaut wird in der Gesellschaft (Familie, Freunde), abgesehen davon dass man sich möglicherweise nutzlos vorkommt und langweilt, treibt es die meisten Leute doch in die Erwerbstätigkeit.
Dummerweise haben die Arbeit/Auftraggeber da einige Tricks und Druckmittel drauf, mit denen sie das Zeitmanagement jedes einzelnen mehr oder weniger beeinflussen oder sogar steuern können.
Dazu gehören
- Alles-oder-Nichts-Methode
Die Zeit, die man in Erwerbstätigkeit investiert, wird häufig nur sehr grobgranular gehandelt. Nach dem Motto, entweder du nimmst den Full-Time-Job oder du landest auf der Straße.- Gruppenzwang
Die Kollegen pushen sich gegenseitig damit hoch, wer am längsten bleibt. Wer früher geht, weil er andere Prioritäten hat, wird gedisst.- Termine setzen für Ergebnisse
Wenn man im Job etwas freiere Zeiteinteilung geniesst (z.b. als “Contractor”), bedeutet das zumeist noch mehr Arbeit, weil man denkt man wird sonst nicht den hohen Qualitätsanforderungen und knapp kalkulierten Terminen gerecht.Die verschiedenen Zeitmanagement-Methoden sind vor allem dazu da, mehr Klarheit über die eigene Prioritätensetzung zu gewinnen, diese Prioritäten in einer geeigneten Zeitplanung festzuhalten, und damit auch einen Überblick über den tatsächlichen Zeitbedarf verschiedener Tätigkeiten zu bekommen. Alles in allem eine Bewusstmachung der Zeiteinteilung.
Seitdem habe ich den Satz “ich habe keine Zeit” aus meinem Vokabular gestrichen. Stattdessen heisst es dann, ich habe andere Prioritäten. Zugegeben, da muss man dann etwas mehr diplomatisches Geschick investieren, damit das nicht unfreundlich rüberkommt.
[Ende des kleinen Exkurses]
Ich habe seitdem auch nie wieder Ich habe keine Zeit
gesagt.
(Dieser Eintrag erschien ursprünglich Mitte 2009 bei Immersion I/O.)